Da es über den Beagle bei jedem guten Züchter, dem VDH, BCD etc., schon ausreichend Rasseportraits gibt, habe ich beschlossen, den lustigen, bunten Hund aus meiner Sicht, sozusagen aus erster Hand, zu beschreiben.

Wenn man mit einem Beagle unterwegs ist, kann man sich schon mal einiger "Ohs", "Ahs" und streichelnder Hände sicher sein. Die Halter*innen wundern sich darüber nicht, bedient er doch mit seinem herzerweichenden Blick, umrahmt von den Schlappohren, bis ins hohe Alter das Kindchenschema. Das ist auch die stärkste Waffe des Beagle, sofern es darum geht, an Begehrliches (in erster Linie Futter) zu gelangen. Um sich dem flehenden hypnotischen Blicken zu entziehen, bedarf es aufseiten des Menschen absoluter Willensstärke. Da der Beagle ein intelligenter Hund ist, hat er ein großes Repertoire an Manipulationsstrategien auf Lager. Neben dem “Ich-hab-schon-seit-drei-Wochen-nix-mehr-gefressen-Blick“ sind die temporäre Schwerhörigkeit oder Amnesie die bewährtesten Tricks, um der*die erprobten Hundehalter*in auf die Palme zu bringen. Besonders gerne wendet er diese an, wenn es Herrchen* und Frauchen* extrem eilig haben – etwa weil es in Strömen regnet und man anlässlich der klitschnassen Kleidung schnell ins Trockene will, während der ansonsten eher wasserscheue Hund ausgerechnet dann keinen Platz findet, um sich zu lösen.

Kadavergehorsam – näääk – Individualismus zeichnet ihn aus, und das muss man als Hundehalter*in lieben, will man mit einem Beagle glücklich sein.

Der Mensch sollte es sich einfach zur Aufgabe machen vorauszudenken, sofern er keine Affinität für abgeräumte Kaffeetafeln oder andere unangenehme Überraschungen hat. Wie bei jeder anderen Rasse auch ist es unabdingbar, zu wissen, ob der Hund, den man sich ins Haus holt, auch zu einem (das impliziert Persönlichkeit und Lebensgewohnheiten) passt. Warum ich das betone? Weil es doch immer wieder Leute gibt, die nach wenigen Wochen feststellen, dass der Welpe nicht nur mit Niedlichkeit, sondern auch Arbeit verbunden ist; inbesondere dann, wenn er in die Pubertät kommt und man als Besitzer*in angehalten ist, einmal tief durchzuatmen, bis zehn zu zählen und geduldig zu bleiben.

Entscheidet man sich für einen Beagle, muss man unbedingt Humor haben, konsequent sein – ich gebe zu: Das ist das Schwerste – und mit einem Hund leben wollen, der einem immer wieder aufs Neue Überraschungen bietet. Zum Beispiel, wenn er eine Spur hat und die aufgeregten Befehle von Herrchen* und/oder Frauchen* ignoriert. So manch eine*n Halter*in hat der ausgeprägte Jagdtrieb seines*ihres Vierbeiners an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben. Wenn man nicht will, dass der Hund mit fröhlichem Geläut aus dem Sichtfeld verschwindet, ist eine Schleppleine eine gute Alternative. Die Hartgesottenen haben ein Survival-Paket dabei, um sich die Zeit bis zur Rückkehr ihres Ausreißers, die durchaus ein paar Stunden dauern kann, zu vertreiben. Wir gehören übrigens zu der Kategorie "Schleppleinen-Halter*innen".

Warum wir zwei Prachtexemplare dieser Rasse haben? Sind wir etwa verrückt? Aber klar, sehr wahrscheinlich sogar: beagleverrückt eben! Natürlich gibt es bei uns auch Tage, an denen wir vor Wut schnauben, weil sie uns anlässlich einer Hasenspur hinter der Leine her ziehen (der Beagle hat Kraft!!!) oder unser Essen geklaut haben (entweder weil wir nicht schnell genug oder einen Augenblick unaufmerksam waren). Als Charmebolzen und Witzbolde wissen sie allerdings, wie ihnen Herrchen* und Frauchen* ihre Eskapaden schnell verzeihen.

Der Beagle polarisiert. Für die einen ist er ein schwererziehbarer, verfressener Dickkopf, für die anderen ist er mit seinen Meutehundeigenschaften einer der fröhlichsten, erfindungsreichsten, anpassungsfähigsten, selbsbewußtesten, familienfreundlichsten und liebenswertesten Hunde überhaupt.

Nicht umsonst haben Beagle traurige Berühmtheit als Laborhunde erlangt.